Wenn es um einen gesunden Lebensstil geht, sprechen wir in der Regel nur von ausreichender Bewegung, einer ausgewogenen Ernährung und weniger Stress. Dabei wird jedoch oft vergessen, dass gesunder Schlaf eine der wichtigsten Voraussetzungen für unser körperliches und geistiges Wohlbefinden und damit für ein gesundes Leben ist.

Schläft man gut, startet man ausgeruht und frisch in den Tag. Leidet man allerdings unter Schlafstörungen, kann das ernsthafte medizinische Probleme wie Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Krebs und neurologische Störungen zur Folge haben.

Sowohl bei Männern als auch bei Frauen können Veränderungen in unserem Sexualhormonspiegel Einfluss darauf haben, wie gut wir schlafen. Das Verständnis der Zusammenhänge zwischen Sexualhormonen und Schlaf kann deswegen dazu beitragen, den eigenen Schlaf und das Wohlbefinden zu verbessern.


Der Zusammenhang von Schlaf und dem Sexualhormon Testosteron

Wir wissen viel über die Bedeutung von Testosteron als männliches Sexualhormon, seine Rolle im Körper und die Auswirkungen von Testosterondefiziten, insbesondere bei Männern. Allerdings sind die Zusammenhänge zwischen Testosteron und Schlaf weitgehend unbekannt. Veränderungen des Testosteronspiegels im Schlaf treten von Natur aus auf – sowohl bei Männern als auch bei Frauen. Tendenziell steigt der Testosteronspiegel im Schlaf und sinkt während der Wachzeit. Der höchste Testosteronwert tritt im REM-Schlaf auf. Das ist der tiefe regenerierende Schlaf, der spät im nächtlichen Schlafzyklus auftritt. Schlafstörungen reduzieren die Dauer des REM-Schlafes und führen daher häufig zu einem niedrigen Testosteronspiegel. Im Zuge einer Studie wurde die Auswirkung von Schlafmangel auf den Testosteronspiegel gesunder junger Männer gemessen. Es wurde festgestellt, dass der Testosteronspiegel bei gekürztem Schlaf sinkt.

Außerdem gibt es starke Hinweise auf einen Zusammenhang zwischen Testosteron und schlafbezogenen Atmungsstörungen, einschließlich obstruktiver Schlafapnoe. Studien haben gezeigt, dass bei Männern mit obstruktiver Schlafapnoe häufig ein niedriger Testosteronspiegel auftritt. Männer mit obstruktiver Schlafapnoe leiden auch häufiger unter Problemen ihrer sexuellen Funktion, einschließlich sexueller Lustlosigkeit, Erektionsstörungen und Impotenz. Bei Männern mit erektiler Dysfunktion ist die Wahrscheinlichkeit, dass sie auch unter obstruktiver Schlafapnoe leiden, laut einer Studie doppelt so hoch. Je ernster die erektile Dysfunktion eines Mannes ist, desto wahrscheinlicher ist es laut der Studie auch, dass er auch obstruktive Schlafapnoe hat.

Der Zusammenhang von Schlaf und den Sexualhormonen Östrogen und Progesteron

Schlafstörungen steigen mit zunehmendem Alter – bei Frauen mehr als bei Männern. Ältere Frauen brauchen länger zum Einschlafen, wachen nachts häufiger auf und haben einen allgemein „leichteren“ Schlaf. Das liegt nicht zuletzt an Veränderungen der weiblichen Sexualhormone.

Schlaf und den Sexualhormonen Östrogen und Progesteron

Besonders in den Wechseljahren kann ein niedriger Östrogenspiegel bei Frauen zu Schlafstörungen beitragen. Veränderungen des Hormonspiegels können bedeuten, dass die Körpertemperatur weniger stabil ist und der Adrenalinspiegel steigt, was den Schlaf beeinträchtigen kann. Der Östrogenverlust bewirkt, dass Körperfett mehr in den Bauchraum wandert, was die Wahrscheinlichkeit erhöht, dass Frauen schnarchen oder unter einer obstruktiven Schlafapnoe leiden.

Die Beziehung zwischen Sexualhormonen und dem Schlaf-Wach-Zyklus bei Frauen wird zusätzlich durch den Menstruationszyklus beeinflusst. Kurz vor der Menstruation einer Frau beeinflussen hormonelle Veränderungen, einschließlich des plötzlichen Absinkens des Progesteronspiegels, die Temperaturkontrolle des Körpers, was wiederum die Dauer des REM-Schlafes reduzieren kann.

Bei Frauen mit schweren prämenstruellen Symptomen kann ein niedriger Melatoninspiegel vor dem Schlafengehen kurz vor der Menstruationsperiode zu schlechtem Schlaf führen. Folgen sind hier z.B. nächtliches Erwachen oder Tagesschläfrigkeit. Veränderungen des Hormonspiegels tragen auch zu Schlafstörungen während der Schwangerschaft bei. Erhöhte Progesteronspiegel können zu Tagesschläfrigkeit führen, besonders im ersten Trimester. Ein hoher Östrogen- und Progesteronspiegel während der Schwangerschaft kann ebenfalls zu Nasenschwellungen und Schnarchen führen.

Der Effekt von Sex auf den Schlaf

Schlaf und Sex stehen im Zusammenhang miteinander. Abgesehen von der Tatsache, dass beide Aktivitäten im Bett stattfinden, beeinflussen sie sich gegenseitig: oft führt ein lustvolles Sexleben zu einer besseren Schlafqualität und umgekehrt.

Sex auf den Schlaf

Wenn das Sex- oder Schlafleben leidet, stehen die Chancen gut, dass das eine durch Optimierung des anderen verbessert werden kann. So kann ein besserer Schlaf die Lust auf Sex erhöhen.

Wenn der Körper durch Schlafmangel gestresst wird, unterdrückt das Gehirn die Produktion von Sexualhormonen wie Östrogen und Testosteron zugunsten von Stresshormonen wie Cortisol.

Diese Verschiebung des Hormonspiegels kann zu vermindertem Sexualtrieb, Unfruchtbarkeit oder Erektionsstörungen führen. Aber nicht alle Faktoren der Wechselwirkung zwischen Schlaf und Sex sind rein biologisch. Schlafentzug hat auch eine offensichtliche negative Folge auf das Sexualleben: Er macht müde. Sexualtherapeuten bestätigen, dass Müdigkeit der am häufigsten angegebene Grund für eine Interesseverlust an Sex ist. Kurzer Schlaf beeinflusst fast jeden Aspekt der allgemeinen Gesundheit und des Wohlbefindens, und die sexuelle Gesundheit ist sicherlich keine Ausnahme.

Ich leide unter Schlafstörungen, was kann ich tun?

Der erste wichtige Schritt bei Problemen im Zusammenhang mit Schlaf ist es, einen Arzt zu konsultieren. Auch Menschen, die mit Schwierigkeiten mit ihrer Sexualfunktion zu kämpfen haben, sollten ihren Schlaf von einem Arzt beurteilen lassen.

Die gute Nachricht ist, dass die Behandlungen vieler Schlafstörungen, wie z.B. die der obstruktiven Schlafapnoe, sicher und effektiv sind. Bei Erkrankungen wie der erektilen Dysfunktion kann eine Hormonersatztherapie sinnvoll sein, unabhängig oder in Verbindung mit der Behandlung einer Schlafstörung.